Sonntag, 30. Juni 2013

Das Glas ist halb voll

 
Den meisten Leuten geht es wohl so, daß wenn es draußen nur Grau ist alles etwas schwerer von der Hand geht, man in melancholischer Stimmung ist. Während bei Sonnenschein alles einfacher scheint. 
Ich mag Regen und dunkle Wolken! Auftürmende Wolken sind so viel spannender als strahlendblauer Himmel. Regenmusik auf dem Dach kann so schön sein. 
Wasser bringt Leben in die Natur und im anschließenden Sonnenschein funkelt die Welt. 
Trotzdem kenne ich das melancholische Gefühl nur zu gut. In meiner Familie war es immer so, daß das Glas eher leer als halb voll war. Natürlich ist das alles eine Sache der Einstellung. Wenn man immer nur das Schlechteste erwartet, sieht man das Gute nicht mehr. So war das. 
Ich habe versucht da heraus zu kommen und immer wieder das Positive, auch im Negativen, zu sehen. 

Ich bin sehr dankbar für mein Leben, auch wenn ich die Diagnose MS habe und seit fast 10 Jahren nicht mehr arbeiten gehen kann. 
Auch wenn ich den Mann, den ich glaubte bis an mein Lebensende zu lieben, an eine andere Frau verloren habe. So sehe ich doch auch das Gute in diesen Schicksalsschlägen. 

Durch die MS habe ich gelernt, daß nicht immer alles und sofort möglich ist. Ich meinen Tag so planen muß wie die Kraft da ist. Gelassener mit mir und meinem Körper umzugehen. Auch wenn es unleidliche Tage gibt und ich nicht wirklich gelassen sein kann. 
Durch die Trennung habe ich aber auch gemerkt, daß ich mich allzu oft in Watte gepackt habe und soviel stärker bin als ich dachte. Eine Erfahrung, die ich sonst nicht gemacht hätte. Ich bin nun das erste Mal in meinem Leben auf mich alleine gestellt und ich bin schon an den Aufgaben gewachsen und werde sicher auch noch weiter wachsen. 
Doch ich möchte das Positive im Leben nicht nur mit dem Kopf verstehen, sondern ich möchte es auch fühlen. 
Ein Schlüssel dazu ist Achtsamkeit. Im Hier und Jetzt zu sein. Wenn es keine Zukunft und keine Vergangenheit gibt, gibt es auch keine Sorgen. 

Gerade jetzt sitze ich am Computer und kann in meinen Garten sehen, wo alles in frischem Grün leuchtet und ein Kater liegt hier eingerollt neben mir, im tiefsten Schlummer. Ein friedliches, entspanntes Bild. Es gibt kein Morgen und das Gestern ist in diesem Moment auch vergessen. 
Für kurze Momente kann man entspannt sein, kann ich glücklich sein. Immer wieder versuche ich mir Hoffnung zu erkämpfen und positiv in die Zukunft zu schauen.

Doch es ist so unglaublich anstrengend für mich über Tage hinweg, Wochen sind schon undenkbar, eine positive, hoffnungsvolle Stimmung zu haben. Es ist so viel leichter, die Schultern und den Mut hängen zu lassen. Aber ich möchte das so nicht mehr länger mitmachen! 
Es gibt so viel Schönes in unserer Welt, das möchte ich endlich voller Achtsamkeit entdecken. 
Immer wieder habe ich den Tipp bekommen, am Abend eines Tages doch drei Sachen zu notieren, die schön an dem Tag gewesen sind. Das hat manchmal ganz gut funktioniert und ich bin positiv durch den Tag gelaufen, doch oft habe ich es schlichtweg vergessen und abends ist mir nicht wirklich viel Schönes eingefallen. Diese ganze Aktion hat auch nie lange angehalten bei mir. Anscheinend brauche ich einen gewissen Druck, auch wenn ich mich gegen Zwang immer in meinem Leben gewehrt habe. Doch ohne Richtlinien, und die habe ich überhaupt nicht mehr in meinem Leben, seitdem ich nicht mehr arbeiten gehe und alleine wohne, passiert bei mir anscheinend gar nichts. 
Wenn sich aber etwas ändern soll in meinem Leben muß ich mich ändern und dazu brauche ich Hilfe. 
Vor einiger Zeit habe ich den Film „Julie & Julia“ gesehen. Julie Powell hat ihren Blog damals angefangen, weil sie etwas tun wollte, sich ein Ziel setzen wollte. Sie wird zitiert, daß sie immer alles mögliche angefangen hat in ihrem Leben, aber nichts zu Ende gebracht hat. Das hat mich sehr an mich erinnert. 
Das Einzige was ich durchhalte, und das mit Freude, ist mein Blog "Mikrokosmos", weil ich da das Gefühl habe, daß es von mir erwartet wird, auch wenn es nicht so viele Leute sind, die regelmäßig vorbeikommen.

So hat mich diese Zielsetzung von Julie Powell auf einen eigenen Gedanken gebracht. Ich werde keine Rezepte ausprobieren, solche Blogs gibt es schon genug und Leute, die besser kochen können. 
Nein, ich werde mich ein Jahr lang auf die Suche nach meinem Glück machen, nach der Freude in meinem Leben,  und das werde ich auf diesem Blog dokumentieren, damit ich nicht irgendwann wieder damit aufhöre.

Kommentare:

  1. Liebe Manuela,
    was für eine schöne Idee! Deine Worte berühren mich sehr und ich wünsche dir alles, alles Gute für deine Suche nach dem Glück - nicht nur für dieses eine Jahr!
    Ich schick' dir einen dicken Drücker.
    Svenja

    AntwortenLöschen
  2. Oh wie cool! Das sind ja immer tatkräftigere Laute die ich von dir lese, richtig toll! Ich lass mich gerne von dir in den kleinen Glückseligkeiten des Tages entführen...
    Liebe Grüße - Irma

    AntwortenLöschen
  3. Wie schön - schon das schlichte Blog LO verbreitet gute Laune, das Gelb ist wunderbar. Ich werde mit Freude an deinen glücklichen Momenten teilhaben.

    AntwortenLöschen
  4. das ist ja unglaublich - erst jetzt entdecke ich deinen neuen blog!
    (hab zwar schon ein paarmal was von "tagesfreude" bei dir gelesen, aber ich dachte immer, das sei was auf instagramm, pinterest oder so...)
    oh manuela, er gefällt mir sehr!! so schöne fotos und du schreibst einfach wunderbar, das fällt hier so richtig auf! am meisten berührt hat mich dein post über bäume... den könnte ich 100% genau so geschrieben haben! auch mir zerreißt es das herz, wenn bäume gefällt werden. ich hab auch gefühlte millionen von baumfotos, hauptsächlich von meiner walkingstrecke. obwohl es immer wieder die selben bäume sind, ich kann nicht genug davon kriegen!
    na, jedenfalls werde ich jetzt auch hier regelmäßig vorbeischauen. freu mich schon auf weitere posts!

    AntwortenLöschen
  5. Deine Worte haben mich sehr berührt, deine Kraft und der Mut die auch daraus sprechen lassen mich den Hut ziehen. Irgendwie habe ich diesen Blog nicht richtig wahr genommen und mich grade an den super schönen Details erfreut - danke dafür.
    Ganz liebe Grüße, Dagmar

    AntwortenLöschen

Ein lieber Kommentar oder konstruktive Kritik macht mich glücklich! Vielen Dank, daß Du Dir dafür die Zeit genommen hast!